Seit einiger Zeit bekommen manche Webseiten die Panik, wenn man sich mit der Maus dem Exit-Knopf nähert. Bewegt man die Maus in Richtung Menü, ploppt ein Fenster auf und verspricht einem das Paradies auf Erden, zumindest aber den Newsletter, der alle Probleme löst oder den Rabatt, von dem ich nie zu träumen wagte. Da bekommst du das vierwöchige Zeitungsabo für 1 Euro oder noch besser das dreimonatige Abo für 10 Euro. Und einen Gurkenhobel obendrein.
Dabei war schon der Seiteneinstieg ambitioniert: Den Cookies zustimmen (die einfache Lösung) oder die Cookie-Speicherung individuell gestalten (teilweise der komplette Horror mit so finsteren Dark Pattern, dass sogar die Hölle ein heller und freundlicher Ort ist). Anschließend wird man aufgefordert, sich mit seinem Guuugle- oder Apfelaccount anzumelden, um die wahren Vorteile des Angebots ausschöpfen zu können. Die Option, als Gast weiterzumachen, ist in 6-Punkt in hellgrau auf weißem Hintergrund platziert. Hat man das hinter sich gebracht und scrollt ein wenig herunter, soll man unbedingt den Newsletter abonnieren. Wer das nicht will, soll dann etwas spenden, um dieses einzigartige Angebot zu unterstützen.

Zwischenzeitlich zappelt das Video, das man eigentlich weggeklickt hat, als „Bild im Bild“ herum und ist „unschließbar“. Währenddessen pumpt die Seite im Hintergrund Cookies ohne Ende auf deinen Speicher.
Nach diesem Kampf kommt endlich die Seite, die du ursprünglich gesucht hast (gern mit Computer-Tipps gefüllt, die mies übersetzt von einer anderen Seite geklaut sind) und du erkennst, dass sie dir nicht weiterhilft. Da passt es, dass die Such(t)maschine Nr.1 diesen Tipp auf Seite 1 an erster Stelle bringt. Erschöpft holt man den 678-Seiten-Linux-Wälzer aus dem Buchregal und siehe, nach zweiminütiger Suche findet sich die Lösung. Ganz ohne Anschreien1.
Das Zitat zum Salat
Phil Collins
„Mögen Sie keine Musik?“
„Doch, aber …“
„Was für Musik?“
„Ich habe früher Phil Collins gehört.“
„Phil Collins“, wiederholt sie. „Das sind die Achtzigerm oder?“
„Na ja. Ende der 70er war er schon mit Genesis …“
Enttäuscht
„Du musst ganz schön enttäuscht von mir sein, oder?“
„Es geht“, sagt Achim. „Enttäuschter bin ich von den Butterpreisen.“
Charakter
Vielleicht ist es mit dem Charakter so ähnlich wie mit der Intelligenz, nur dass der Charakter seinen Höhepunkt etwas später erreicht: sagen wir, zwischen zwanzig und dreißig. Und danach müssen wir uns einfach mit dem begnügen, was wir haben.
Erinnerung II
Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen
Erinnerung
Am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat.
Radiosonntag
Nur im Radio waren die Sonntage noch so, wie sie früher gewesen waren. Sonntags zwischen zwei und vier blieb Xaver in der Nähe des Radios.
Noch heißer
Gegen Mittag würde die Temperatur auf 38 Grad ansteigen, und zwischen zwei und drei nachmittags würde sie sich um 41 Grad bewegen. Angespannte Nerven würden dann anfangen zu reißen und dem Detective deutlich mehr Arbeit verschaffen. Brotmesserwetter, dachte der Detective.
Kinder fragen
Ja, es zieht dich echt runter, wenn Du dich mit einem Kind unterhältst. Mich hat mal ein Kind gefragt: Wie war das eigentlich für dich, als du das erste Auto gesehen hast? Scheiße, Mann, ich bin 1962 geboren.
Das End'
Der Rabe Ralf ruft schaurig: »Kra!
Das End ist da! Das End ist da!«
Bücherfrevel
Wer sich eine gerahmte Seite aus einem alten Buch an die Wand hängt, ist ein Banause und beweist genau damit seine Unkultur.
Wolkenwand
Ein wahnsinniger Abend, das. Eine schwarzblaue senkrechte Wolkenwand. Häuser und Bäume sahen unheimlich schwer aus. Alles schien vor Wärme zu tropfen.
Heiß
Weicher als Bärendreck, weicher als die Lakritze, die er allen anderen Süßigkeiten vorzieht, wird der Teer der Fugen in den nächsten Stunden werden.
Wer ist ich?
Was ist das eigentlich: Identität? Wo endet die Vorstellung, die man gibt, die Rolle, die man spielt? Das weiß niemand.
Mei bist du gemein
In einer Zeit, in der die Gemeinheit so an der Tagesordnung ist, verdient man sich fast Lob, wenn man gar nichts tut.
Dünner Regen
Der Regen machte sich dünn und dünner. Und jetzt, in einem letzten, fast tropisch feinen Sprühen, spürt man wieder die Kraft der Sonne durch die wie Weißblech schimmernden Wolken dringen.
Gewitterfarben
Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.
Bücherfeinde
Es gibt noch andere Feinde der Bücher. Nämlich die Leute, die sie verbergen… (da) genügt es, kein ausreichendes Netz von öffentlichen Bibliotheken zu schaffen, um sie vor denen zu verbergen, die sich keine kaufen können
Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern
und setzt die so gefangnen Wesen
noch obendrein in Parenthesen.
Erdbeben
»In Südamerika ist ein großes Erdbeben gewesen, Störzer. Mein Vater hat es heute früh beim Kaffee aus der Zeitung vorgelesen. Das hat viele Ortschaften übereinandergeschmissen und darunter eine Stadt so groß wie unsere. Donnerwetter, wer da hätte bei sein können, Störzer!«
Benehmen
Der Chef zwang ihn, sich als der zu benehmen, für den er ihn hielt… Wenn er sich so benimmt, wie sie ihn haben wollen, merkt er, daß er nicht so ist.
Beim Arzt
Also. lieber Herr Zürn, Sie kriegen von mir kein Gramm Medizin. Ich werde nicht die Volkswirtschaft belasten, bloß um ihnen ihre Begegnung mit sich selbst zu ersparen. Sie müssen sich begegnen.
Wir selbst
Diese gewöhnliche Art und Gewohnheit, auf alles, nur nicht auf uns selbst zu schauen, ist nützlich und kommt uns sehr zu gute. Es ist ein Gegenstand, der nur Verdruß bereitet , wir erblicken dort nur Elend und Eitelkeit.
Der Wind
Es pfeift der Wind. Was pfeift er wohl?
Eine tolle, närrische Weise.
Er pfeift auf einem Schlüssel hohl,
bald gellend und bald leise.
Küchenradio
Die Augen gehen im zu, sofort hört er besser, und schließlich sieht er ganz klar, wie sich das Gesäusel des Küchenradios vor dem Türschlitz schlankmacht und sich als ein honiggelbes Band zu ihm hereinschlängelt.
Schreckensherrschaft
Die gegenwärtige Schreckensherrschaft internationaler Rechtlosigkeit hat vor einigen Jahren eingesetzt. Sie begann mit unberechtigten Eingriffen in die inneren Angelegenheiten anderer Völker und mit dem Einfall in fremde Gebiete unter Bruch bestehender Verträge; sie hat nun ein Maß erreicht, das die Grundlagen der Zivilisation selbst ernstlich bedroht. Die Marksteine auf dem Wege der menschlichen Entwicklung zu Gesetzlichkeit, Ordnung und Gerechtigkeit werden umgestürzt, ihre Traditionen ausgerottet.
Saudumm
Am liebsten hätte er gesagt: Saudumm’s G’schwätz. Das konnte er nicht sagen. Aber etwas anderes auch nicht. Also schwieg er.
Vorn anfangen
Ganz vorn anfangen. Sie werden lernen müssen, ganz von vorn anzufangen. Ich habe auch ganz von unten angefangen, ich kann auch nicht hingehen und am fünfundzwanzigsten meinen Lohn abholen – ich sage, ganz von vorn anfangen.
- Mir ist bewusst, dass hier ein Boomer die gedruckte Vergangenheit glorifiziert und den Fortschritt verschnöselt. Ach, übrigens, Sie können den Autor dieses Blogs unterstützen… Nein, klicken Sie nicht weg, ohne den Newsletter zu abonnieren. ↩︎