Alte Bücher? Die KI frisst sie auf

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Die Gewitter sind zumindest hier in Schwäbisch Gmünd bis zum Vormittag ausgeblieben. Draußen ist es kühler geworden, drinnen strahlen die Wände die gespeicherte Hitze ab. Also raus!

Aber vorher noch eine Nachricht, die seit Juni die Runde macht, mich aber erst jetzt erreicht. Antiquariate in Europa berichten, dass ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books Bücher in größeren Mengen aufkauft. Keine besonderen Bücher, eher schlecht verkäufliche Sachbücher aus den 70er Jahren, die z.B. in Bibliotheken bereits lange aussortiert sind. Die Vermutung (und mehr ist es bisher nicht) ist, dass Zoom Books diese an Firmen weiterverkauft, die „Nahrung“ für ihre KI-Modelle benötigen. Das weitere Vorgehen ist, die Bücher aufzutrennen, jede Seite einzeln zu scannen und das gesamte Buch als einen Haufen Altpapier zu entsorgen.

Manche Antiquare freuen sich, ihre Ladenhüter loszuwerden, andere sehen das Bucherbe in Gefahr. Auf Reddit fragt jemand, ob wir uns auch so aufregen würden, wenn nicht das Etikett „KI“ draufgeklebt wäre. Interessanter scheint mir, warum KI auch mit obsoleten Sachbüchern aus dem vorigen Jahrhundert vollgestopft werden? Ist das gut? Weiß eine KI, dass die Sachbücher nicht mehr den letzten Wissensstand widergeben?

Und ist es gut, wenn für jeden beziehbare Bücher vom Markt verschwinden und der Inhalt im Besitz einiger weniger Unternehmen ist? Das einzelne Buch mag ja wertlos sein, aber es geht um erhebliche Mengen, schätzt das SRF:

Für den EU-Markt wurde ein Zwischenlager an der tschechisch-deutschen Grenze hochgezogen. Der Händler schätzt das mutmassliche Volumen auf 700’000 Titel allein in Deutschland, drei Millionen weltweit.

Umberto Eco beschreibt in seinem Buch „Die Kunst des Bücherliebens“ drei Motive des Biblioklasmus (Bücherzerstörung). Zur Angst vor dem Inhalt, zur Zerstörung aus Nachlässigkeit und zur Gier (Gewinnmaximierung durch Verkauf einzelner Seiten) kommt jetzt ein viertes Motiv dazu: Die KI frisst die Bücher auf und verleibt sich den Inhalt ein.


Das zufällige Zitat

Bücherfrevel

Wer sich eine gerahmte Seite aus einem alten Buch an die Wand hängt, ist ein Banause und beweist genau damit seine Unkultur.

Umberto Eco (Die Kunst des Bücherliebens, 2009)

Bücherfeinde

Es gibt noch andere Feinde der Bücher. Nämlich die Leute, die sie verbergen… (da) genügt es, kein ausreichendes Netz von öffentlichen Bibliotheken zu schaffen, um sie vor denen zu verbergen, die sich keine kaufen können

Umberto Eco (Die Kunst des Bücherliebens, 2009)