Anpassungsfähig

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Bei einem Gespräch erwähnte jemand, dass junge Leute sich heutzutage nicht mehr an Verabredungen halten. So seien die Nachbarn trotz mehrmaliger Erinnerung nicht zum Einzugsfest gekommen. Ein anderer warf ein, dass die „jungen Leute“ ja auch Bewerbungsgespächen ohne Angabe von Gründen fernblieben. Dazu schreibt auch die Süddeutsche in dem Artikel: „Generation unverbindlich – Vielleicht. Mal schauen. Melde mich“ (Paywall).

Dort heißt es unter anderem:

Der Gen X und den Boomern hat man oft mangelnde Ambiguitätstoleranz attestiert – also dass sie sich nicht gut genug auf Veränderung einstellen können.

Der Boomer kriegt mal wieder etwas nicht hin. Ich dagegen habe für mich das Gegenteil festgestellt. Dass Züge der Bahn nicht mehr pünktlich sind, habe ich komplett akzeptiert. Unsere Fahrt in Richtung Niederrhein brachte einen Zugausfall und Verspätungen auf vier von fünf Fahrten sowie einen Schienenersatzverkehr zwischen Köln und Bonn. Aber wenn der Zug da war, dann fuhr er auch. Mehr kann man nicht erwarten. Man lernt auch in kollabierenden Systemen ständig dazu und sei es, ungewisse Situationen mit Gleichmut zu ertragen.

Aber warum kollabieren Systeme, die zuvor gut funktioniert haben? Wieso spielt England eine Halbzeit gut, liegt mit einem Tor vorn und bricht dann völlig ein? Wieso spielen die Franzosen im Halbfinale wie die „Walking Deads“ ohne jeden Esprit? Diese Unvorhersehbarkeit ist es, die Fußball-Weltmeisterschaften so spannend machen, trotz der vielen Gründe, die gegen dieses Turnier sprechen.


Das zufällige Zitat

Charakter

Vielleicht ist es mit dem Charakter so ähnlich wie mit der Intelligenz, nur dass der Charakter seinen Höhepunkt etwas später erreicht: sagen wir, zwischen zwanzig und dreißig. Und danach müssen wir uns einfach mit dem begnügen, was wir haben.

Julian Barnes (Vom Ende einer Geschichte, 2011)

Erinnerung II

Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen

Julian Barnes (Vom Ende einer Geschichte, 2011)

Erinnerung

Am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat.

Julian Barnes (Vom Ende einer Geschichte, 2011)

Wer ist ich?

Was ist das eigentlich: Identität? Wo endet die Vorstellung, die man gibt, die Rolle, die man spielt? Das weiß niemand.

Philipp K. Dick (Der dunkle Schirm, 1977/2022)

Mei bist du gemein

In einer Zeit, in der die Gemeinheit so an der Tagesordnung ist, verdient man sich fast Lob, wenn man gar nichts tut.

Montaigne (Essais, von der Eitelkeit)

Beim Arzt

Also. lieber Herr Zürn, Sie kriegen von mir kein Gramm Medizin. Ich werde nicht die Volkswirtschaft belasten, bloß um ihnen ihre Begegnung mit sich selbst zu ersparen. Sie müssen sich begegnen.

Martin Walser (Seelenarbeit, 1979)

Wir selbst

Diese gewöhnliche Art und Gewohnheit, auf alles, nur nicht auf uns selbst zu schauen, ist nützlich und kommt uns sehr zu gute. Es ist ein Gegenstand, der nur Verdruß bereitet , wir erblicken dort nur Elend und Eitelkeit.

Montaigne (Essais, von der Eitelkeit)