Fühlen Sie sich krank?

Die Aufregung um die geplanten (aber irgendwie unklaren) Veränderungen bei der Krankmeldung der arbeitenden Bevölkerung ist groß. Klar ist, der hohe Krankenstand (der im Mittelfeld in Europa liegt) verantwortet den wirtschaftlichen Niedergang, der faule Kollege pausiert auf Kosten der fleißigen Kollegin und alle müssen jetzt mit anpacken. So weit so platt .1

In „Seelenarbeit“ beschreibt Martin Walser den Betriebsarzt Dr. Meichle, der den maladen Arbeiter zuerst fragte „Fühlen Sie sich krank?“ Der so angesprochende Protagonist Xaver Zürn denkt darüber nach: „Man saß, als hätte man die Frage noch nie gehört, und spürte, welche Verantwortung man mit der Antwort auf sich nehmen werde. Wenn man, zum Beispiel, nichts als Bauchschmerzen hatte, sich im übrigen aber gesund fühlte, dann könnte man die Doktor-Frage nur mit Nein beantworten. Ein versuchtes Zögern nahm Dr. Meichle nicht zur Kenntnis. … Natürlich hatte Xaver die Doktor-Frage auch einmal mit Ich-habe-Bauchweh beantwortet. Darauf Dr. Meichle: Darüber sprechen wir nachher, zuerst bitte, beantworten Sie meine Frage.“

Bei der Krankmeldung nützt kein Zögern, keine selbstzweiflerische Zürn’sche Selbstbefragung. Hier verhilft nur das selbstbewußte und klare „Ich bin krank“ zur nötigen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Fußball-Bundestrainer Nagelsmann ist nicht mehr im Amt, der Brause-Soccer-Chief will ganz doll Nachfolger werden. Der Österreicher ist raus, die Niederländer auch, die Mannschaft aus Kapverden hat es Argentinien sehr schwer gemacht. Spanien oder Frankreich? Wer wird Weltmeister? Jetzt erst einmal ein Hydration-Break.


Das zufällige Zitat

Charakter

Vielleicht ist es mit dem Charakter so ähnlich wie mit der Intelligenz, nur dass der Charakter seinen Höhepunkt etwas später erreicht: sagen wir, zwischen zwanzig und dreißig. Und danach müssen wir uns einfach mit dem begnügen, was wir haben.

Julian Barnes (Vom Ende einer Geschichte, 2011)

Erinnerung II

Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen

Julian Barnes (Vom Ende einer Geschichte, 2011)

Erinnerung

Am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat.

Julian Barnes (Vom Ende einer Geschichte, 2011)

Wer ist ich?

Was ist das eigentlich: Identität? Wo endet die Vorstellung, die man gibt, die Rolle, die man spielt? Das weiß niemand.

Philipp K. Dick (Der dunkle Schirm, 1977/2022)

Mei bist du gemein

In einer Zeit, in der die Gemeinheit so an der Tagesordnung ist, verdient man sich fast Lob, wenn man gar nichts tut.

Montaigne (Essais, von der Eitelkeit)

Beim Arzt

Also. lieber Herr Zürn, Sie kriegen von mir kein Gramm Medizin. Ich werde nicht die Volkswirtschaft belasten, bloß um ihnen ihre Begegnung mit sich selbst zu ersparen. Sie müssen sich begegnen.

Martin Walser (Seelenarbeit, 1979)

Wir selbst

Diese gewöhnliche Art und Gewohnheit, auf alles, nur nicht auf uns selbst zu schauen, ist nützlich und kommt uns sehr zu gute. Es ist ein Gegenstand, der nur Verdruß bereitet , wir erblicken dort nur Elend und Eitelkeit.

Montaigne (Essais, von der Eitelkeit)
  1. Zu den Fakten in Sachen Krankmeldung, elektronische Krankmeldung und telefonische Krankmeldung siehe diesen Bericht der DAK: https://caas.content.dak.de/caas/v1/media/88048/data/df2f10115fcc5a7872373c18c48504dc/250107-download-bericht-rekordkrankenstand.pdf