Vor mindestens 15 Jahren besaß ich ein starkes Weitwinkelobjektiv (21mm) und kam so gar nicht damit zurecht. Wie gelingt es , einen interessanten Vordergrund und gleichzeitig den Hintergrund (das Hauptmotiv) spannend zu gestalten? Mir fehlte das Auge. Das ist immer noch so (im übertragenen Sinn), dennoch habe ich mir jetzt ein gebrauchtes Weitwinkel (20mm) zugelegt, mit Nikon-FX-Anschluss, der aber dank eines Adapter auch an die Systemkameras dieser Marke passt. Und gleich am ersten Tag habe ich immens Ausschuß produziert. Ich bleibe mir treu, doch dieses Mal will ich dazulernen.

Es muss die Ölkrise in den 70er Jahren gewesen sein, die mich dem Auto entfremdet hat. Zu groß war der Spaß, an autofreien Sonntagen auf den Straßen zu laufen, die sonst nur arme Igel oder Katzen überquerten (und scheiterten).
Seither warte ich Kanzler für Kanzler (Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder, Merkel, Scholz und Merz) auf eine Regierung, die das Vernünftige, das Richtige beschließt, nämlich ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen und Bundestraßen (und auf manchen Landstraßen sowieso). Daraus ist bisher nichts geworden und ich lege diesen Wunsch jetzt erst einmal auf Eis. Es gibt Dinge, die brauchen mehr als ein Menschenleben, um in Erfüllung zu gehen, schon klar.
Im Übrigen bin ich zur Zeit auf Reisen und in Sandlitz unterwegs. Mein erster „Ost-Roman“ überhaupt. Es ist eigentlich nichts los in Sandlitz und das ist ganz schön spannend. Schöner Zufall, dass ich kurz vor der Lektüre das Braunkohlrevier im Rheinischen gesehen habe, denn auch Sandlitz liegt an einem dieser Riesenlöcher, nur eben im Osten. Melde mich, wenn ich Sandlitz wieder verlassen habe.
Passt oder passt nicht – das Zitat
Phil Collins
„Mögen Sie keine Musik?“
„Doch, aber …“
„Was für Musik?“
„Ich habe früher Phil Collins gehört.“
„Phil Collins“, wiederholt sie. „Das sind die Achtzigerm oder?“
„Na ja. Ende der 70er war er schon mit Genesis …“
Enttäuscht
„Du musst ganz schön enttäuscht von mir sein, oder?“
„Es geht“, sagt Achim. „Enttäuschter bin ich von den Butterpreisen.“
Charakter
Vielleicht ist es mit dem Charakter so ähnlich wie mit der Intelligenz, nur dass der Charakter seinen Höhepunkt etwas später erreicht: sagen wir, zwischen zwanzig und dreißig. Und danach müssen wir uns einfach mit dem begnügen, was wir haben.
Erinnerung II
Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen
Erinnerung
Am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat.
Radiosonntag
Nur im Radio waren die Sonntage noch so, wie sie früher gewesen waren. Sonntags zwischen zwei und vier blieb Xaver in der Nähe des Radios.
Noch heißer
Gegen Mittag würde die Temperatur auf 38 Grad ansteigen, und zwischen zwei und drei nachmittags würde sie sich um 41 Grad bewegen. Angespannte Nerven würden dann anfangen zu reißen und dem Detective deutlich mehr Arbeit verschaffen. Brotmesserwetter, dachte der Detective.
Kinder fragen
Ja, es zieht dich echt runter, wenn Du dich mit einem Kind unterhältst. Mich hat mal ein Kind gefragt: Wie war das eigentlich für dich, als du das erste Auto gesehen hast? Scheiße, Mann, ich bin 1962 geboren.
Das End'
Der Rabe Ralf ruft schaurig: »Kra!
Das End ist da! Das End ist da!«
Bücherfrevel
Wer sich eine gerahmte Seite aus einem alten Buch an die Wand hängt, ist ein Banause und beweist genau damit seine Unkultur.
Wolkenwand
Ein wahnsinniger Abend, das. Eine schwarzblaue senkrechte Wolkenwand. Häuser und Bäume sahen unheimlich schwer aus. Alles schien vor Wärme zu tropfen.
Heiß
Weicher als Bärendreck, weicher als die Lakritze, die er allen anderen Süßigkeiten vorzieht, wird der Teer der Fugen in den nächsten Stunden werden.
Wer ist ich?
Was ist das eigentlich: Identität? Wo endet die Vorstellung, die man gibt, die Rolle, die man spielt? Das weiß niemand.
Mei bist du gemein
In einer Zeit, in der die Gemeinheit so an der Tagesordnung ist, verdient man sich fast Lob, wenn man gar nichts tut.
Dünner Regen
Der Regen machte sich dünn und dünner. Und jetzt, in einem letzten, fast tropisch feinen Sprühen, spürt man wieder die Kraft der Sonne durch die wie Weißblech schimmernden Wolken dringen.
Gewitterfarben
Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.
Bücherfeinde
Es gibt noch andere Feinde der Bücher. Nämlich die Leute, die sie verbergen… (da) genügt es, kein ausreichendes Netz von öffentlichen Bibliotheken zu schaffen, um sie vor denen zu verbergen, die sich keine kaufen können
Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern
und setzt die so gefangnen Wesen
noch obendrein in Parenthesen.
Erdbeben
»In Südamerika ist ein großes Erdbeben gewesen, Störzer. Mein Vater hat es heute früh beim Kaffee aus der Zeitung vorgelesen. Das hat viele Ortschaften übereinandergeschmissen und darunter eine Stadt so groß wie unsere. Donnerwetter, wer da hätte bei sein können, Störzer!«
Benehmen
Der Chef zwang ihn, sich als der zu benehmen, für den er ihn hielt… Wenn er sich so benimmt, wie sie ihn haben wollen, merkt er, daß er nicht so ist.
Beim Arzt
Also. lieber Herr Zürn, Sie kriegen von mir kein Gramm Medizin. Ich werde nicht die Volkswirtschaft belasten, bloß um ihnen ihre Begegnung mit sich selbst zu ersparen. Sie müssen sich begegnen.
Wir selbst
Diese gewöhnliche Art und Gewohnheit, auf alles, nur nicht auf uns selbst zu schauen, ist nützlich und kommt uns sehr zu gute. Es ist ein Gegenstand, der nur Verdruß bereitet , wir erblicken dort nur Elend und Eitelkeit.
Der Wind
Es pfeift der Wind. Was pfeift er wohl?
Eine tolle, närrische Weise.
Er pfeift auf einem Schlüssel hohl,
bald gellend und bald leise.
Küchenradio
Die Augen gehen im zu, sofort hört er besser, und schließlich sieht er ganz klar, wie sich das Gesäusel des Küchenradios vor dem Türschlitz schlankmacht und sich als ein honiggelbes Band zu ihm hereinschlängelt.
Schreckensherrschaft
Die gegenwärtige Schreckensherrschaft internationaler Rechtlosigkeit hat vor einigen Jahren eingesetzt. Sie begann mit unberechtigten Eingriffen in die inneren Angelegenheiten anderer Völker und mit dem Einfall in fremde Gebiete unter Bruch bestehender Verträge; sie hat nun ein Maß erreicht, das die Grundlagen der Zivilisation selbst ernstlich bedroht. Die Marksteine auf dem Wege der menschlichen Entwicklung zu Gesetzlichkeit, Ordnung und Gerechtigkeit werden umgestürzt, ihre Traditionen ausgerottet.
Saudumm
Am liebsten hätte er gesagt: Saudumm’s G’schwätz. Das konnte er nicht sagen. Aber etwas anderes auch nicht. Also schwieg er.
Vorn anfangen
Ganz vorn anfangen. Sie werden lernen müssen, ganz von vorn anzufangen. Ich habe auch ganz von unten angefangen, ich kann auch nicht hingehen und am fünfundzwanzigsten meinen Lohn abholen – ich sage, ganz von vorn anfangen.