Leiermann (Wilhelm Müller)

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Der „Leiermann“, den Wilhelm Müller schildert, wirkt erbarmungswürdig, in seinem monotonen Spiel und Almosen bekommt er auch nicht…

1823/24 schrieb Wilhelm Müller dieses Gedicht um den Leiermann, das vor allem als Teil des Liederzyklus „Winterreise“ von Friedrich Schubert bekannt wurde und es immer noch ist.

Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an;
Und die Hunde brummen
Um den alten Mann.

Wilhelm Müller (1794–1827) schildert in drei mal vier Versen eine Situation, wie man sie sich trauriger und verlassener kaum vorstellen kann. Der alte Mann dreht die Leier (die keine Drehorgel ist, sondern ein Streichinstrument, bei dem eine Kurbel ein Rad dreht, das die Saiten zum Klingen bringt) und keiner hört ihm zu oder nimmt ihn auch nur wahr. Es ist bitter kalt, die Finger sind starr, „barfuß auf dem Eise wankt er hin und her“. Sein Teller für die Almosen bleibt „für immer“ leer. Kein Trost nirgends. Doch der Alte dreht die Leier immer weiter, gerade so, als wüsste er, dass mit dem Verstummen des Instruments auch sein Leben zu Ende wäre. Oder ist der Alte in Wahrheit der Tod selbst? Dann entsteht am Ende der zwanzig Verse so etwas wie Hoffnung, als das Lyrische Ich sagt:

Wunderlicher Alter,
Soll ich mit dir gehn?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier drehn?

Wilhelm Müller starb 1827, im selben Jahr vertonte Schubert das Gedicht. Ein Jahr später starb auch Schubert. Müller wurde 32 Jahre alt, Schubert 31 Jahre.

Da hat der Junge mit seinem Cello, der seit Tagen immer wieder einen Mix aus Weihnachtsliedern und klassischen Gassenhauern herunterbrummt, direkt vor unserem Fenster, doch ein ganz anderes „Standing“. Sein Teller, der eine Kappe ist, füllt sich schnell, am Ende holt ihn der Vater ab


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