24 Jan. 2026
Klabund (1890-1928) fragt sich in seinem Gedicht „Winterschlaf“ (1927), was der Dichter nach dem Verschwinden der letzten Blume „noch besingen soll“?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muss schon in die eigene Seele dringen –
jedoch, da haperts meist.
Da bliebe, folgert der Dichter, nur der Winterschlaf, wie auch Frosch und Lurch es halten. Die Winterschläfer kennen aber das schöne Gefühl nicht, das stets Ende Januar einsetzt und mit dem Ausruf „Die Tage werden schon wieder länger“ bestens umschrieben ist. Dann hat der Winter schon verloren, mag er sich noch so oft an einem Comeback versuchen.
Klabund starb mitten im Sommer in Davos an seiner Tuberkulose-Erkrankung, ausgerechnet an einem Ort, der heute in der Hand der mächtigen Schreihälse ist. Wie schrieb Klabund in der „Ballade des Vergessens„:
Euer Herrscher hieß Narr, seine Tochter Leid.
Die Hofherren Feigheit und Schande.
Er führte euch in den Untergang
Mit heitern Mienen, mit kessen.
Längst habt ihrs bei Wein, Weib und Gesang
Vergessen, vergessen, vergessen.