Werwolfs Winterfreuden

Hans Carl Artmann (1921-2000) schrieb dieses schwarzlaunige Stück unter dem Titel “Wenn im Öflein’s Feuer kracht” als Teil einer Sammlung von Kinderreimen. Nachzulesen auf Planet Lyrik.

fröhlich streunt er durch das feld
fühlt den frieden dieser welt,
sträubt das fellchen voller wonne,
frank und frei von aller sonne.

Herzig, oder? Es ist aber kein Hasilein und auch kein Eichhörnchen, sondern ein Werwolf, der da so friedlich und gut gelaunt durch die sonnenlose Gegend streift. H.C. Artmann veröffentlichte 1967 die Sammlung „Allerleihrausch“ mit „neuen schönen Kinderreimen“. Darin finden sich viele Gedichte, hinter deren sprachlich heiteren Versen der Schrecken lauert. Der Österreicher Artmann, einer der „Erfinder“ des surrealen Gedichts und ein Entdecker des Dialekts in der Poesie, steht für einen makabren und schwarzen Humor, der Kindern sicher glänzend gefällt, bei Erwachsenen aber eher die Frage aufkommen lässt: Darf ich das lustig finden? Schließlich animiert Artmann die Kinder, vom Weihnachtskuchen zu nehmen und

geht mit ihm den werwolf suchen.

Ich gebe zu, dass ich einen Sinn für Schwarzen Humor habe und der Vers „sträubt das Fellchen voller Wonne“ gefällt mir sehr, gerade da ich weiß, dass es das Fell des Werwolfs ist.