Das Werkzeug ist’s

Vorsicht, Langeweile-Gefahr für alle, die sich noch nie mit den Metadaten eines Fotos beschäftigt haben. Ist irgendwie Nerdkram.

Für Fotointeressierte gibt es zwei Werkzeuge. Das eigentliche ist die Hardware, also die Kamera(s), Objektive, Blitz etc. Das andere Werkzeug ist die Software, um die entstehenden Bilder zu verwalten (die Bild-Bearbeitung lasse ich mal außen vor).

Die Kamera spielt für mich mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Mir scheint die technische Entwicklung ähnlich wie beim Smartphone ausgereizt, die letzten Tausendstel-Sekunden Belichtungszeit interessieren mich nicht so sehr, das noch lichtstärkere Objektiv muss ich nicht haben.

Wichtig ist die Software, ja sie beschäftigt mich derart, dass ich über dieses Werkzeug das eigentliche Ziel, nämlich das Bild vernachlässige. Das ist bedenklich.

Um ein Foto auffindbar zu machen, kann man es katalogisieren, archivieren, dokumentieren, wie immer man das nennen will. Man vergibt also einen Titel, Beschreibung, Schlagworte, Stichworte, Orte und vieles mehr).

Das Zusammenspiel dieser Daten gerät zu einem Durcheinander, wenn mehrere verschiedene Software-Lösungen ins Spiel kommen. Die eine schreibt diese Daten in die Foto-Datei, die nächste in Sidecar-Dateien (xmp), von denen aber jedes Bildbearbeitungsprogramm ein eigenes Formate anwenden kann, die untereinander nicht kompatibel sind. Die dritte Software wiederum befüllt eine interne Datenbank mit diesen Angaben.

Überschreibt man z.B. mit DigiKam, einer freien Software, die Fotodaten, dann findet sich in der xmp-Datei (xmp ist ein Adobe-Standard) ein eigener Bereich, der vielleicht so aussieht (Ausschnitt):

<digiKam:TagsList>
            <rdf:Seq>
               <rdf:li>Personen/Familie/Name1</rdf:li>
               <rdf:li>Personen/Familie/Name2</rdf:li>
               <rdf:li>Personen/Familie/Name3</rdf:li>
            </rdf:Seq>
</digiKam:TagsList>

Das ACDSee-Programm macht es so:

         <acdsee:categories>&lt;Categories&gt;&lt;Category Assigned="0"&gt;Personen&lt;Category Assigned="0"&gt;Familie&lt;Category Assigned="1"&gt;Name1 &lt;/Category&gt;&lt;Category Assigned="1"&gt;Name2&lt;/Category&gt;&lt;Category Assigned="1"&gt;Name3&lt;/Category&gt;&lt;/Category&gt;&lt;/Category&gt;&lt;/Categories&gt;</acdsee:categories>

Bei Microsoft-Software sieht es wiederum so aus, als weiterer Eintrag in dieser xmp-Datei:

<MicrosoftPhoto:LastKeywordXMP>
            <rdf:Bag>
               <rdf:li>Personen/Familie/Name1 </rdf:li>
               <rdf:li>Personen/Familie/Name2 </rdf:li>
               <rdf:li>Personen/Familie/Name3 </rdf:li>
            </rdf:Bag>
</MicrosoftPhoto:LastKeywordXMP>

Dann gibt es oft einen mediapro-Eintrag (von dem ich nicht weiß, welche Software ihn benutzt:

<mediapro:CatalogSets>
            <rdf:Bag>
               <rdf:li>Personen|Familie|Name1</rdf:li>
               <rdf:li>Personen|Familie|Name2</rdf:li>
               <rdf:li>Personen|Familie|Name3</rdf:li>
            </rdf:Bag>
</mediapro:CatalogSets>

Nutzt man nun ein neues Programm, z.B. NeoFinder (darüber muss ich auch noch schreiben), dann gibt es einen weiteren Eintrag in der xmp-Datei, der im Lightroom-kompatiblen Format geschrieben wird:

<lr:hierarchicalSubject>
            <rdf:Bag>
               <rdf:li>Personen|Name1</rdf:li>
               <rdf:li>Personen|Name2</rdf:li>
               <rdf:li>Personen|Name3</rdf:li>
               <rdf:li>Personen|Zeiten|2000er Jahre</rdf:li>
            </rdf:Bag>
</lr:hierarchicalSubject>

Bei letzterem hat sich meine Stichwort-Hierarchie geändert, von

Personen > Familie > Name1 zu Personen > Name1

die Zwischenstufe Famile soll also entfallen. Dies findet sich aber nur im neuen Eintrag, die älteren in den anderen Formaten bleiben unverändert. So wächst die Datei dann im Laufe der Zeit auf 163 Zeilen mit 12 kb Größe. XMP-Dateien sind im Grund Textdateien, die sich mit jedem Texteditor öffnen und auch ändern lassen.

Damit aber nicht genug, denn bei jpg- und raw-Fotos können die Informationen auch in der Fotodatei selbst gespeichert werden. Dann hat man Infos in der Sidecar-Datei und im Foto selbst, die je nach Bearbeitungsgeschichte auseinanderlaufen können.

Dies mag reichen als Einblick in die komplizierte Welt der Metadaten von Fotografien. Ideal scheint mir zu sein, von Anfang an mit einer Software zu arbeiten, die Stichwort-Hierarchie nicht grundlegend zu ändern und bei dem Rest ein Auge zuzudrücken. Das hieße zum Beispiel, mit Adobe Lightroom zu arbeiten. Da mir deren Abo-Modell aber nicht gefällt, musste ich mir was anderes suchen.

Verschiedene Werkezuge, darunter zwei Hämmer, liegen neben vielen anderen Dingen auf einem Arbeitstisch
Werkzeug liegt im Museum der Ott-Pauser’schen Fabrik in Schwäbisch Gmünd